Wie mir Kreativität geholfen hat, schwierige Erfahrungen zu verarbeiten

Warum ich darüber schreibe

Ich lebe nicht, um zu schreiben.
Ich schreibe, um zu leben.

Vielleicht ist das dramatischer formuliert, als es gemeint ist – und doch steckt viel Wahrheit darin.
Traumatische Ereignisse scheinen zum Leben zu gehören. Zumindest zu meinem.

Die letzten zehn Jahre haben mich verändert. Mehrere schwierige Lebensphasen haben mich dazu gezwungen, Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. Einer der wichtigsten davon ist meine Kreativität.

Bilder

Als ich vor zwei Jahren im Krankenhaus aufwachte und schnell klar war, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor, griff ich innerhalb der ersten Tage zu meinem Skizzenbuch.

Ich kritzelte einfach drauflos.
Nicht, weil ich etwas Bestimmtes ausdrücken wollte, sondern weil es das Einzige war, das mir in diesem Moment noch aus meinem bisherigen Leben geblieben war.

Eine Freundin brachte mir aquarellierbare Stifte, und ich begann sofort zu experimentieren. Der Medikamentenbecher wurde zum Wasserglas, der Kopfpolster zur Unterlage. Halb liegend entstanden so die ersten Werke meines neuen Lebens.

Während meiner monatelangen Therapie nutzte ich jede freie Minute, um zu malen oder zu zeichnen. Und ich stellte fest, dass es nicht nur mir dadurch besser ging, sondern auch den Menschen um mich herum.

Andere Patient:innen blieben stehen, sahen mir zu, kamen ins Gespräch.
Pflegekräfte ermunterten mich, Porträts zu zeichnen, und forderten mich damit ordentlich heraus. So entstand schließlich die Idee, mich bei meinen Therapeut:innen und Pfleger:innen mit persönlichen Bildern zu bedanken.

Worte

Schreiben war schon früh eine Möglichkeit für mich, mit großen Gefühlen umzugehen. Als Jugendliche schrieb ich Liebesromane – mit der Ernsthaftigkeit und Intensität einer Vierzehnjährigen.

Als ich vor zehn Jahren erneut mit Gefühlen konfrontiert war, die einen Platz suchten, entdeckte ich das Schreiben wieder. Allerdings brauche ich dafür Abstand. In der größten Krise habe ich dafür keinen Kopf.

Aber wenn es wieder etwas ruhiger wird, kann ich mich hinsetzen und den Gedanken freien Lauf lassen.

Manche Emotionen sind zu groß, zu schwer, um sie jemandem anderen persönlich aufzubürden. Dann hilft mir das Schreiben.
Und manchmal auch mein Humor.

Kein Ersatz für Hilfe

So schön es wäre, wenn man sich damit die Therapie sparen könnte – ganz so ist es nicht.
Ich hatte von Anfang an psychologische Unterstützung und nutze sie bis heute.

Weder Schreiben noch Malen sind ein Ersatz für professionelle Hilfe, wenn es um schwere Krisen geht. Aber sie helfen.
Im Alltag.
In Ausnahmesituationen.
Oder einfach dann, wenn man sie braucht.

Auch das habe ich in den letzten Jahren gelernt: Hilfe anzunehmen ist okay.
Es ist notwendig.
Ich bin nicht allein – und muss es auch nicht sein, wenn ich es nicht will.

Ich kann nur dazu ermutigen, sich auch in schweren Zeiten mit Dingen zu beschäftigen, die man gerne tut. Oder gerade dann etwas Neues auszuprobieren.

Was hilft dir, mit schwierigen Ereignissen umzugehen?

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Was mir Malen und Schreiben geben – auch wenn nichts dabei herauskommt