Die Wahrheit hinter der Wahrheit

Wieviel Wahrheit steckt in meinem Roman “Versehentlich wir”?

Ich habe nicht meine eigene Geschichte aufgeschrieben.

Caro ist nicht ich. Ich bin nicht Caro. Ben ist nicht mein Mann. Daniel ist nicht der Mann, der irgendwann plötzlich in meinem Leben stand.

Und trotzdem steckt in diesem Roman mehr von mir, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt.

Ist dein Roman autobiografisch?

Das werde ich oft gefragt. Und die Antwort ist komplizierter, als man vielleicht denkt.

Denn tatsächlich steckt viel von mir in der Protagonistin Caro. Die Art, wie sie denkt, ihren Humor und – ja – auch ihre tollpatschige Art erkenne ich in mir wieder. Wie Caros Leben ist auch meines teilweise ausgesprochen turbulent und voller skurriler Situationen. Einige davon finden sich in meinem Roman wieder. Meist in abgewandelter Form. Aber eben nicht immer.

Ein Kinderwunsch, der nicht nach Plan läuft

Caro und Ben müssen sich auf dem Weg zum Wunschkind schwierigen Entscheidungen stellen. Auch mein Mann und ich haben bei der Familienplanung keinen geraden Weg eingeschlagen und so einiges durchmachen müssen.

Und tatsächlich ist der Roman „Versehentlich wir“ während dieser sensiblen Phase entstanden. Da waren einfach zu viele Gefühle, zu viele Begegnungen und zu viele absurde Momente, um sie nicht irgendwo festzuhalten.

Viele Paare überstehen die Kinderwunschzeit nicht unbeschadet. Die emotionale Belastung ist – gerade wenn nicht alles nach Plan läuft – enorm. Und manchmal verliert man sich in einer Zeit, die man sich eigentlich ganz anders vorgestellt hat.

Ich wollte eine solche Situation mit viel Feingefühl, aber eben auch mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor darstellen.

Meine eigenen Erfahrungen, Ängste und Unsicherheiten haben mir mit Sicherheit dabei geholfen, Caros Innenleben nachvollziehbar darzustellen. Und auch die eine oder andere Situation, die sie in der Kinderwunschklinik erlebt, habe ich – zumindest in ähnlicher Form – selbst erlebt.

Und dann wären da noch die anderen …

Neben Caro und Ben gibt es natürlich noch all die schrägen Charaktere, die ihr Leben bevölkern.

Da ist zum Beispiel die Wäschefrau, der Caro immer wieder bei der Arbeit begegnet. Sie spricht von sich in der dritten Person und ist ein echtes Wiener Original.

Frei erfunden? Vielleicht.

Der überhebliche Arzt, den alle anhimmeln, obwohl er ein ziemlich selbstgefälliger Schnösel ist?

Frei erfunden. Oder doch nicht?

Bens Schwester, die ihr Leben mal kaum und dann wieder gar nicht auf die Reihe kriegt?

Frei erfunden. Wahrscheinlich.

Und dann wäre da noch die schrumpelige Kinderwunschärztin.

Kann es so jemanden überhaupt geben? Jemanden, der so wenig einfühlsam ist?

Ja.

Kann es.

Aber auch sie ist natürlich frei erfunden.

Bis auf …

Und genau da liegt vielleicht das Spannende an der Wahrheit hinter der Wahrheit.

Denn beim Schreiben vermischt sich Realität irgendwann mit Fantasie. Eine echte Begegnung wird zur Inspiration für eine Figur. Ein tatsächliches Erlebnis verändert sich, bekommt einen anderen Ort, andere Menschen und ein anderes Ende. Ein Gefühl bleibt dagegen manchmal fast genauso, wie es wirklich war.

Und irgendwann weiß vielleicht nicht einmal mehr die Autorin selbst ganz genau, wo die Realität aufgehört und die Geschichte begonnen hat.

Vielleicht muss sie das auch gar nicht wissen.

Denn „Versehentlich wir“ ist keine Autobiografie. Aber ganz frei von meinem eigenen Leben ist der Roman eben auch nicht.

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Wie mir Kreativität geholfen hat, schwierige Erfahrungen zu verarbeiten